„Passt auf, dass das nicht wieder geschieht …

„Passt auf, dass das nicht wieder geschieht …

und sagt rechtzeitig und laut genug Nein.“

Diese Worte richtet die Holocaustüberlebende Trude Simonsohn in ihrem Erinnerungsbuch „Noch ein Glück“ an die heutige deutsche Jugend. 

Und in diesem Sinne berichtet sie seit beinahe 40 Jahren als Zeitzeugin über ihr wechselvolles Leben und beantwortet die Fragen junger Zuhörer.

Am 6. März 2018 nutzten 50 Schülerinnen und Schüler des zehnten Jahrganges unserer Schule die Chance auf ein Gespräch mit der 96-jährigen Ehrenbürgerin von Frankfurt in den Räumlichkeiten der Budge-Stiftung.

Frau Simonsohn berichtete – unterstützt durch ihre Vertraute Frau Abendroth -  zunächst von ihrer unbeschwerten Kindheit in einer liberalen jüdischen Familie innerhalb der demokratischen Atmosphäre des tschechischen Mährens. Umso schmerzlicher empfand sie dann das Erleben der radikalen Ausgrenzung der jüdischen Bevölkerung, die spätestens mit der Zerschlagung der Resttschechoslowakei im März 1939 einsetzte.

Nach ihrer Verhaftung in Folge des Heydrich-Attentats1942 und einer zermürbenden Einzelhaft gelangte Frau Simonsohn ins Ghetto Theresienstadt, von wo aus sie im Oktober 1944 gemeinsam mit ihrem Mann nach Auschwitz deportiert wurde. Von dieser Hölle, die in ihren Erinnerungen vergraben liegt, kam sie zur Zwangsarbeit in das Außenlager Kurzbach, welches sie schließlich Anfang 1945 in einem Todesmarsch vor der nahenden Front verließ. Unterwegs blieb sie erschöpft zurück, lebte für einige Wochen in der Illegalität unter deutschen Ostflüchtlingen und wurde vier Tage vor Kriegsende ein weiteres Mal verhaftet. Diese letzte Station war Merzdorf, ein Außenlager von Groß-Rosen, aus welchem sie schließlich am 9. Mai1945 befreit wurde.

Nach nur wenigen Jahren in der Schweiz kehrte Frau Simonsohn nach Deutschland zurück und gelangte über Hamburg 1955 nach Frankfurt, wo sie bis heute lebt und sich um das jüdische Leben in der Stadt verdient macht.

Trude und Berthold Simonsohn haben den Wahnsinn nicht ohne Spuren, aber rückblickend in beinahe glücklichen Fügungen überlebt. Ihre Eltern, viele Freunde, Verwandte und Weggefährden nicht. Ihr Überleben verbindet sie mit dem Auftrag, über die Zeit zu berichten, auch wenn es immer wieder schwer fällt: „Wer von uns darüber sprechen kann, der muss auch darüber sprechen. Das sind wir den Ermordeten schuldig.“ In diesem Zusammenhang gehörte auch ihre Frage an unsere Schülerinnen und Schüler nach deren Möglichkeiten, auf Unrecht zu reagieren oder Unrecht zu verhindern. Die einzelnen Antworten lösten Freude und Hoffnung bei Frau Simonsohn aus.

 

Schülerstimmen

Das Gespräch mit Frau Simonsohn hat mir sehr gefallen. Ich fand es beindruckend, wie manche scheinbar bedeutungslosen Ereignisse sie so sehr geprägt haben, zum Beispiel ein unbekannter Mann, der ihr in aussichtsloser Situation einen Mantel überlegte. Ihre Art, wie sie ihr Leben unabhängig vom Buch nochmal neu erzählt hat, empfand ich als sehr rührend. (…) Auf jeden Fall sollte sie die Möglichkeit, ihr zuhören zu können, weiterführen. Ich finde es auch sehr gut, dass sie uns warnen möchte und uns zeigen möchte, dass wir neue Ereignisse in dieser Form verhindern sollen. Greta S., G10c

Ich fand es – wie wohl die meisten anderen auch – sehr beeindruckend, dass Trude Simonsohn mit ihren 96 Jahren noch so klar denken und sich auch noch an so vieles erinnern konnte. (…) [Für mich] war das Gespräch ein einmaliges Erlebnis. Kim W., G10c

Mir hat das Zeitzeugengespräch sehr gut gefallen, da durch die Darstellung der geschichtlichen Ereignisse die damalige Situation deutlicher wurde. Ich fand es außerdem gut, dass wir am Ende noch einmal persönliche Fragen stellen durften. Das Zeitzeugengespräch war eine einmalige Gelegenheit, mehr über die Lebensverhältnisse der Menschen und die politische Situation zu erfahren. (…). Annika F, G10b

(…) Dadurch dass Frau Simonsohn selbst präsent war und man ihre Gefühle sehen konnte, war die Geschichte für mich besser vorstellbar (…). Leonie E, G10b

(…) Die Gelegenheit, mit einer Zeitzeugin zu sprechen, war eine einmalige Erfahrung, die ich sehr interessant fand. Sophie A, G10b

Ich nehme für die Zukunft mit, dass ich mir nicht alles gefallen lassen muss, was andere mit mir oder meinen Mitmenschen machen, denn ich lebe in einer Demokratie, in der ich meine Augen nicht vor unschönen Dingen oder Taten verschließen muss, sondern ich kann mich frei äußern. Svenja S, G10a

(…) Ich bewundere an Frau Simonsohn, dass man trotz der Erlebnisse lachen und leben kann. (…) Man selbst sollte sich selbst nicht besser sehen als andere und man sollte früh genug „nein“ sagen (…). Robin S., R10b

Für mich war dieses Erlebnis sehr besonders (…). Den Schmerz, den sie damals (körperlich und mental) miterleben mussten, ist unvorstellbar und schrecklich. Ich finde, so etwas sollte nicht untergehen, sondern mit unserer Generation geteilt werden, damit so etwas nicht noch einmal vorkommt. Warisha A, R10b

 

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